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Digitalisierung der Raumplanung: Der XPlanung-Standard im Fokus
Die Digitalisierung hat in vielen Bereichen zu tiefgreifenden Veränderungen geführt, auch der Bereich der Raumplanung bildet davon keine Ausnahme. Hier hat insbesondere die Einführung des XPlanung-Standards neue Entwicklungen mit sich gebracht. Er dient als einheitliche Richtlinie für unter anderem die Erstellung digitaler Bauleitpläne, also den kommunalen Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen.
Ursprünglicher Auslöser für die Entwicklung des Standards XPlanung war eine Umfrage unter deutschen Kommunen im Jahr 2003, in der viele Kommunen angaben, dass es vor allem in der kommunalen Bauleitplanung an Standards fehlt. In der Folge fehlender Standards und unterschiedlicher CAD- wie auch GIS-Systeme konnten elektronische Daten zwischen den am Verfahren beteiligten Akteuren oftmals nicht, bzw. nicht verlustfrei ausgetauscht werden. Stattdessen wurden analoge Pläne versandt oder PDF-Dateien verschickt.
Entsprechend wurde der XPlanung Standard entwickelt, mit dem Ziel, derartige Medienbrüche zu vermeiden und eine einheitliche Struktur vorzugeben, in der raumbezogene Daten erfasst und ausgetauscht werden können. Der Standard basiert dabei grundsätzlich auf der existierenden XML (Extensible Markup Language), wobei hiervon abgeleitet die Geography Markup Language (GML) zur Kodierung räumlich-geografischer Daten entwickelt wurde. Am 5. Oktober 2017 hat der IT-Planungsrates die Einführung von XPlanung beschlossen, wobei den Kommunen für die Umsetzung eine fünfjährige Übergangsfrist gewährt wurde. Diese endete jedoch am 1. Februar 2023, weshalb spätestens seit diesem Zeitpunkt die Anwendung des Standards XPlanung verbindlich ist.
Die Anwendung von XPlanung verspricht neben der bereits thematisierten Vereinheitlichung der Datenstrukturen und deren Austauschbarkeit, Vorteile in einer Vielzahl von Bereichen:
- Effizienzsteigerung bei den Verfahren: Der verlustfreie Austausch von Daten macht doppelte Datenbestände oder auch die Umwandlung in unterschiedliche, teilweise verlustbehaftete Dateiformate vor dem Import von Plandaten obsolet und stärkt damit die Effizienz der Zusammenarbeit von verschiedenen Akteuren im Verfahren
- Verbesserung der Planungsqualität: Zugleich wirkt sich die geometrische Präzision und die Möglichkeit des verlustfreien Austauschs von Plandaten in Form von XPlan GML auf die Qualität der Planung aus, da Fehler und darauf ggfs. begründete Fehlentscheidungen reduziert werden. In der Folge entfallen etwa Zusatzarbeiten wie das behelfsmäßige „Abdigitalisieren“ analoger Pläne in CAD-Programmen, was häufig mit geometrischen Ungenauigkeiten einhergehen kann.
- Internetgestützte Bereitstellung von Plänen: Durch die einheitliche Struktur von Plänen in Form der XPlan GML wird deren Datenhaltung und vor allem Bereitstellung, etwa in Form von Geoportalen, erleichtert. Dies schafft Transparenz und ermöglicht der breiten Öffentlichkeit den einfacheren Zugang zu Planungsinformationen.
- Unabhängigkeit von proprietären Dateiformaten: Durch die Einführung des offenen XPlanung-Standard wurden Planungsakteure in ihrer Position gegenüber den Softwareherstellern gestärkt. Proprietäre, also an eine gewisse Software gebundene, Dateiformate verlieren damit an Bedeutung, womit die Interoperabilität gestärkt und die Pfadabhängigkeit getroffener Investitionsentscheidungen von Planungsakteuren reduziert werden.
- Weiterentwicklung und Anpassung: XPlanung wird beständig weiterentwickelt und an rechtliche, technische und auch praktische Gegebenheiten angepasst. Durch die Nutzung explizit gewährter Öffnungsmechanismen können alle Akteure der Planung an der Entwicklung von XPlanung mitwirken. So können der XLeitstelle etwa zusätzliche Codelist-Werte für ein Attribut vorgeschlagen werden, um einzelne Sachverhalte, wie sie beispielsweise bereits in einschlägigen Bebauungsplänen geregelt werden, auch im XPlanung-Modell künftig entsprechend präzise abbilden zu können.
- Analysemöglichkeiten: Ein vollvektorisierter Bestand an XPlänen bildet den Ausgangspunkt für eine Vielzahl an räumlichen Analysen. So lassen sich die Planinhalte in GIS-Systemen gezielt mit bestehenden anderen Datensätzen verschneiden. Denkbar ist etwa der Abgleich von Realnutzung (Orthofotos, Hausumringe, …) und planungsrechtlich vorgesehener Nutzung (Bauflächen, Überbaubare Grundstücksflächen, …). Ein einfacheres, nicht minder wichtiges, Anwendungsbeispiel wäre etwa die Erstellung einer kommunalen Flächenstatistik auf Basis des digitalen Flächennutzungsplans (Wohnbauflächen, gemischte Bauflächen, gewerbliche Bauflächen …).
- Weitere Entwicklungen: Dadurch, dass es sich bei XPlan GML um ein offenes, strukturiertes Datenaustauschformat handelt, bietet es vielfältige Anknüpfungspunkte für weitere Entwicklungsvorhaben. Denkbar und teilweise bereits angestoßen sind interaktive und intuitiv zu bedienende Datenplattformen auf denen XPlan GML Daten in Kombination mit anderen Daten einfach visualisiert und auch räumliche Analysen durchgeführt werden können. Insbesondere mit Blick auf den gezielten Einsatz künstlicher Intelligenz scheint hier noch viel ungenutztes Potenzial für die Bearbeitung komplexerer Aufgabenstellungen zu liegen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass XPlanung durch die Standardisierung und den verlustfreien Datenaustausch die Effizienz und Qualität der raumbezogenen Planung verbessert und so einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung der Raumplanung leistet.